Blumenpflücken

Was läuft mir da beim Lesen der Neuigkeiten des Tages über den Weg? Ein Artikel über einen gefeierten Opernstar, der ein öffentliches Blumenbeet plündert [ 1 ]. Gut, es mag sein, dass das ORF-Grundstück vielleicht nicht als öffentlicher Grund gilt. Man spricht von einem Kavaliersdelikt, der gute Herr macht alles mit einem Gesangsauftritt wieder gut. Und einem Strauß Blumen. Wo die herkommen, will ich der Phantasie des Lesers überlassen.

Da hamma wieder g’lacht.

Wenn ich andererseits in der Wiener Straßenzeitung Augustin in einer der Juliausgaben lese, dass für dasselbe Delikt eine Strafe von 105 Euro verhängt wird, dann verstehe ich das nicht. [ 2 ] Ich habe leider die Zeitung nicht mehr da, aber dem Netz sei dank, ist auch dieser Artikel online zu finden. Kurz umrissen geht es um einen Vater und dessen Kind, die in einem Wiener Park ein paar Blumen gepflückt haben.

Gut, man kann einräumen, dass der Besitzer vom einen Blumenbeet (also dem ORF-Beet) davon Abstand hält, eine Anzeige wegen mechanischer Einflussnahme auf die Pflanzung aufzugeben. Wo kein Kläger, da kein Richter. Nur warum kann sich die eine staatliche Organisation nicht genauso lustig darüber freuen wie eine andere? Das kleine Kind im Resselpark würde sicherlich liebend gerne mit seiner Kindergartengruppe eine Aufführung von Die Affen rasen durch den Wald zum Besten geben und sich damit der Verfolgung durch die knallharte Macht der Gesetze entziehen. Das würde sogar thematisch besser passen, schließlich geht es dabei um die zentrale Frage, wer die Kokosnuss geklaut hat.

Ich möchte klarstellen, dass ich keineswegs den Pranger oder schlimmeres für den geständigen Dieb im Fall des Opernsängers verlange. Im Gegenteil: Etwas Feingefühl in der Abwägung von Bestrafung und Verfolgung wäre wünschenswert. Nicht nur in dieser speziellen Geschichte.

Lasst doch das Kind mit seinem Vater ein paar Blumen nachsetzen. Von mir aus auf dessen eigene Kosten. Damit haben beide sogar noch Spaß daran und der Kleine kann vielleicht auch noch was dabei lernen: Nämlich selber später vielleicht etwas Fingerspitzengefühl an den Tag zu legen und dort, wo nichts dramatisches geschehen ist, nach alternativen Lösungswegen zu suchen.

In diesem Sinne, lasst uns ein paar Bäume pflanzen. Aber vorher den Grundbesitzer fragen.