Komasaufen

…oder: Was wurde aus den Kampftrinkern?

Juchu, wir haben ein neues medienwirksames Thema, das genauso breitgetreten wird, wie dereinst manch anderes. Erinnert sich noch wer an die Panikmache mit der Vogelgrippe? Oder weiß noch jemand, was SARS eigentlich ist?

Diesmal geht es um ein Problem, das etwas greifbarer ist und sich nicht im Bereich mikroskopisch kleiner Viecher oder Viren abspielt. Vielmehr geht es dabei um ausgewachsene Kater. Die Rede ist vom Komasaufen. Das Wort gab es vor 2007 noch nicht. Gut, neue Zeiten, neue Begriffe.

Um eines klarzusstellen: Ich hasse es, wenn jemand betrunken zu randalieren beginnt, oder besonders zutraulich wird. Oder einfach nur das Klo vollkotzt. Das ist einfach eklig. Von gesund gar keine Rede: Alkohol ist ein Nervengift. Ich mag es auch nicht besonders, ein zweites Selbst in meinem Kopf zu hören, das mir dauernd komische Sachen vorlallt. Dennoch trinke ich ab und zu gerne ein bissl was. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Schließlich ist Alkohol eine in unserer Gesellschaft akzeptierte Droge. Also darf daraus niemandem ein Strick gedreht werden.

Dass es allerdings heute anscheinend so viele Jugendliche gibt, die diese Droge nicht im Griff haben, hört man ja andauernd in den Medien. Wie gefährlich eine Alkoholvergiftung sein kann, steht außer Zweifel. Was ich mich aber dann doch frage: Wenn das Problem erst heute so groß ist, warum drehen sich dann so viele Geschichten der älteren Semester ums Saufen?
Oft genug kreisen die alten lustigen Geschichten der Verwandten und Bekannten um Saufgelage in jungen Jahren. Nicht immer ohne Blödsinnigkeiten. Wer kennt nicht die Geschichten der männlichen Bevölkerungsteile, wie lustig es beim Bundesheer gewesen sein soll? Wie oft haben sich unsere Vorfahren nicht einen Rausch irgendwo am Boden ausgeschlafen und sich an nix erinnert? Ich würde das auch als komagesoffen bezeichnen. Heute findet sich so eine Geschichte eben in der Zeitung wieder.
Die Generationen davor hatten vielleicht noch das Glück, dass sie nicht so einfach an alkoholische Getränke herangekommen sind: Entweder fehlte das Geld, oder man wurde vom Familienoberhaupt gezüchtigt. So hat mir zuletzt eine Freundin meiner Oma ihre Sicht der Dinge geschildert.

Dass das Thema Alkoholmissbrauch, vulgo Saufen, bzw. der sinnvolle Umgang mit der Droge kein leichtes ist, scheint klar. Zumal das Suchtpotenzial recht groß ist: Saufen ist legal. Viele Freunde trinken auch gern. Manchen fällt es leichter, sich dem anderen Geschlecht zu nähern. Das Komasaufen (daher?) als ein Phänomen des angehenden 21. Jahrhunderts unter Jugendlichen abzutun, finde ich unsinnig: Es ist doch schon länger so, dass man in Alkohol seine Probleme aufzulösen veruscht hat oder eben in der Gruppe mitgesoffen hat. Also bitte gebts das doch auch zu, liebe Medienmacher.

Interessanter wäre für mich, …

  • wo wirklich die Unterschide zwischen heutigen Komasäufern und damaligen Kampftrinkern sind. Ich finde zwar die Kampagne zur Aufklärung über Alkohol mehr als lobenswert, aber die Art und Weise, wie man sich hier medientechnisch nähert gefällt mir nicht. Ich fürchte eher, dass die Komasäufer eher als subversive Helden des kampftrinkenden Nachwuchses gesehen werden könnten.
  • …warum Haschisch so dermaßen verdammt wird, obwohl die Auswirkungen weitaus weniger schwerwiegend sind als beim Alkohol (Das Wort Einstiegsdroge halte ich übrigens im Zusammenhang mit Substanzen für generell fehl am Platze: Als Einstieg in Drogenmissbrauch sehe ich einzig das soziale Verhalten einer Gruppe: In den falschen Kreisen geht der Weg mit Alkohol, Haschisch oder Schokolade gleichermaßen steil bergab). Ein guter Artikel zu Cannabis fand sich dereinst im deutschen Ärzteblatt [ 1 ]. Und meine Tante als Psychiaterin in der Drogenbetreuung versteht die Verteufelung dieser Droge auch nicht ganz.
  • …was passieren würde, wenn in Österreich (wie zB in Schweden) 0,2 Promille für Autofahrer eingeführt würde. Und die dann aber auch streng kontrolliert werden. Müssten wir uns bei entsprechender Berichterstattung dann vor Zeitgenossen wie Alkopas, Sauffurien oder Blunzenfettfahrern fürchten? Ich finde Alkolenker übrigens gefährlicher als Komasäufer: Die gefährden auch andere.
  • …warum alkoholfreie Getränke preislich ähnlich positioniert sind, wie zB Bier? Wo zur Henkerin kann ich mir einen halben Liter Himbeersaft (bissl Sirup + Wasser) um 10 Cent zum Essen bestellen?
  • …wie es sein kann, dass Vorbilder wie zB Sportler von Biermarken gesponsort sein können. Auch so wird nicht unbedingt das richtige Gefühl transportiert.

Fazit

Mein Fazit zu dem ganzen Thema fällt wohl eher idealistisch aus: Bitte machts kein Theater aus etwas, was eigentlich ein Problem ist. Warum? Weil Theater nicht immer einfach zu verstehen ist. Problemlösungen sind pragmatischer: Billigere antialkoholische Getränke, keine Alkoholwerbung, kein Alkohol am Steuer bei strengen Strafen.