Österreichische Bundeshymne, genus- und sexusneutral

Die Österreichische Bundeshymne wurde dereinst beinahe dämonisiert, weil sie Frauen nicht genug würdige. Im Prinzip stimmt diese Aussage und ihr wurde durch die offizielle Umtextung Rechnung getragen.

Unschön finde ich im Zusammenhang mit neutralem Sprech vor allem, dass die Leute, die sich für die Gleichberechtigung einsetzen, es dann derart übertreiben, dass das kapitale Binnen-I mehr oder minder allgemeine Akzeptanz findet. Wer bitteschön denkt denn an das Schönheitsverständnis der Sprache? Niemand. Da ist mir schon lieber, wenn von Vertreterinnen gesprochen wird, auch wenn männliche Vertreter darunter zu finden sind. Oder wenn ganz einfach ausgeschrieben wird, was man sich denkt.

Aber das hier soll keine Abhandlung über die Sprache werden. Ein paar Anmerkungen dazu habe ich weiter unten noch angehängt.

Ich habe mich hingesetzt, und versucht, die Hymne (muss dann wohl auch das Heimlandlied heißen) möglichst nahe am originalen Text aber sexus- und genusneutral zu halten. Wer nicht weiß, was da der Unterschied ist, soll sich einmal vor Augen halten, dass noch nicht erwachsene weibliche menschliche Individuen als das Mädchen bezeichnet werden.

Es holpert ein bissl, aber wer was besseres hat, bitte her damit! Speziell bei den mit * gekennzeichneten Stellen.

Alternativer Text

Land der Gebirge und Gewässer,
Land der Felder und Gotteshäuser,
Land des Werkzeugs zukunftsreich,
Heimatland von großen Kindern,
Volk begnadet für das Schöne *
vielgerühmtes Österreich

Heiß umfehdet, wild umstritten,
liegst Europa du inmitten,
einem starken Herzen gleich,
hast seit frühen Ahnenjahren
mordsdrumm schweres G'wicht getragen
vielgeprüftes Österreich

Mutig in die neu'n Jahrzehnte,
frei und gläubig sieh uns geh'n
arbeitsfroh und hoffnungsreich
Einig lass uns im Ensemble*
Elterland dir Bündnis schwören,
vielgeliebtes Österreich

Hinweise

Wer den echten Text sehen will, das Bundeskanzleramt bietet den Volltext der Bundeshymne an.

Das Elterland ist Absicht. Heimatland ginge zwar auch, aber ich wollte den Vater standesgemäß ersetzen.

So manches holpert doch noch gewaltig. Aber ich wollte dieses Werk der Allgemeinheit auch im Rohzustand nicht vorenthalten.

Man verzeihe mir das Gotteshaus, schließlich ist es nicht religionsneutral. Aber darum ging es ja nicht.

Wenn nun jemand denken möge, ich wäre gegen eine Gleichstellung von Mann und Frau, dann bitte ich diejenige noch einmal darüber nachzudenken. Ich bin nur sehr skeptisch, was die Vernotgewuzelung der Sprache angeht. Lesbarer wird ein Text durch das ewige …und -innen nicht wirklich. Und papierschonend ist es auch nicht. Ich finde es dagegen, wie eingangs erwähnt, in Ordnung, wenn die männliche Form eines Wortes zu Gunsten der rein weiblichen weggelassen wird.
Weiters gibt es genügend andere Möglichkeiten, sexusneutral zu arbeiten. Oft bietet sich das Partizip Präsens an: Studierende, Lernende, … Wem das zu eklig erscheint, der soll sich aber bitte nicht darüber beschweren, dass ich ein Studenten und -innen für holprig halte.
Außerdem finde ich, dass eine sexusneutrale Sprache zwar angebracht ist, aber nicht dann, wenn von vorneherein klar ist, dass es nicht um geschlechtsspezifische Dinge gehen kann. Wenn ich zB eine Information an unsere Kunden schreibe, ist es mir vollkommen wurscht, ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt. Ich verwende den Plural Kunden. Es ist schlichtweg nicht relevant, ob ich Männer oder Frauen anspreche. Schließlich gehe ich auch nicht darauf ein, dass wir Angehörige anderer zu Glaubensgemeinschaften zu unseren Kunden zählen: Ich beginne ein Telefonat nicht mit Grüß Allah, wenn ich mit einem Moslem telefoniere. Wahrscheinlich würde das eher als Verhöhnug angesehen werden. Ich muss allerdings sagen, dass ich es mir sowieso angewöhnt habe, Grüß‘ Sie zu sagen.
Abschließend möchte ich anmerken, dass die Sprache zwar einen wichtigen Teil zur gegenseitigen Achtung beiträgt, aber was hilft es jemandem aus einer benachteiligten Gruppe, wenn die Sprache zwar für Gleichstellung sorgt, aber zB Frauen dennoch weniger verdienen als Männer? Oder Menschen mit Behinderungen (Behinderte im Sinne von durch uns behindert) zwar sprachlich schön dastehen, aber immer noch nicht in den Hörsal kommen, weil die Tür auf der Rampe so aufgeht, dass man sich mit einem Rollstuhl zuerst in Luft auflösen müsste?
Es wird immer gesagt, es gehe ums „Sichtbarmachen“ der Frauen. Von mir aus, aber dann in ordentlicher Grammatik, die Deutsche Sprache bietet genügend Möglichkeiten dafür mit.
Eine ebenfalls interessante Beobachtung ist es, dass bei negativen Berichten sehr oft auf die weibliche Form vergessen wird: Kaum liest man von ÜbeltäterInnen, Alkoholikern und -innen, Politikern und Politikerinnen.