Pfandeinkaufswagerln

Ich kann mich erinnern, als ich klein war. Damals gab es tatsächlich noch Geschäfte — und nicht wenige —, die ihre Einkaufswagerln einfach so herumstehen hatten. Nicht an der Kette. Nicht mit einem Münzschloss versehen. Einfach so: Mitnehmen, einkaufen, hinstellen.

Doch seit was weiß ich wie lange, gibt es sowas in Österreich de facto nicht mehr. Ich frage mich allerdings warum. Die paar Einkaufswagerln, die bei manchen Einkäufern zufällig mit nach Hause gehen, können es wohl nicht sein. Schließlich hat die Stadt Wien im Jahr 2007 immer noch 20000 (in worten Zwanzigtausend) herrenlose Einkaufswagerln gezählt. Nachdem es aber kaum noch welhce zur freien Entnahme gibt, helfen die Münzschlösser nix. Behaupte ich einfach einmal.

Mir gehen diese Münzdinger jedenfalls ordentlich auf die Nerven: Brauche ich einmal ein Wagerl, habe ich garantiert keine passende Münze dabei. Und dann ist natürlich noch dafür gesorgt, dass in jeder der drei Reihen mit Wagerln das gerade feilgebotene Wagerl klemmt. Oder der Münzschacht ist kaputt. Oder der Stecker an der Kette ist verbogen, sodass das Wagerl seinen Dienst verweigert. Was soll das?

Der Gipfel der Gemeinheiten sind solche Wegfahrsperren im Boden, über die man mit einem Wagerl nicht mehr drüberfahren kann. Das sind gerillte metallene Einlassungen im Boden, in denen sich die Räder verkeilen. Klingt ja toll, allerdings muss man mit passendem Schhwerk ordentlich aufpassen, dass man selbst nicht Opfer dieses Zeugs wird: Ich bin nicht erst einmal auf den verkehrsberuhigenden Maßnahmen ordentlich ausgerutscht, wenn es geregnet hat.

Noch eines drauf setzen die Flughäfen. Ich frage mich zum Beispiel, wohin man in Wien Schwechat ein Gepäckswagerl führen soll. Auf die Autobahn? Nach Fischamend? Bah! Und wenn ich das schon will, ist mir das Wagerl den Plastikjeton oder die 2 Euro allemal wert, oder? Und ich habe schon mehrmals beobachtet, wie Touristen ankommen, ein Wagerl haben wollen aber leider davor kapitulieren, dass keine passende Münze da ist. Und dann geht das herumsuchen los, ob jemand der Umstehenden sowas vielleicht…tja was denn? Herschenken? Wechseln? Yen gegen Euro? Wie war da noch der Kurs?

Ich weiß nicht, wer sich den Schwachsinn mit dem Münzpfand für Wagerln einfallen hat lassen. Aber dessen persönliche Tantalosqual soll ein Raum voller Wagerln sein und die Aufgabe, Gepäck zu schleppen. Und nichts, absolut garnichts, soll in die Wagerln passen. Bis auf ein Wagerl, das mit einer hellen Aura umgeben darauf wartet, seine alte 10-Schilling-Münze entgegenzunehmen — und dann soll diese blöde Kette klemmen!