Weihnachtsmann

Weihnachtsmann

Eines möchte ich voranschicken: Ich bin nicht sonderlich katholisch. Am Papier schon (noch), aber meine Einstellungen decken sich nicht überall mit denen der katholischen Kirche. Daher mag der folgende Text vielleicht etwas anmaßend klingen, aber schließlich geht es um traditionelle Riten.

Diesmal richtet sich meine Schmähschrift an eine kommerzialisierte Figur. Es passt dabei so richtig schön ins Bild, dass diese Figur von einer Firma als Werbeträger erfunden wurde: Der Weihnachtsmann.

Mir ist unbegreiflich, warum dieser fette alte Mann mit seinem Rauschebart auch bei uns solche Durchschlagskraft beweist. Ich kann mich erinnern, als ich klein war, hatte ich Angst vorm Nikolaus. Und der war eigentlich sehr angenehm. Den Weihnachtsmann kannte ich nur aus dem Fernsehen aus schlechten amerikanischen Kitsch-Weihnachtsproduktionen. Und sympathisch war mir der nicht.

Das Christkind, das in meiner Kindheit noch durch den Wald geflogen kam und als wir beim Essen gesessen sind die Geschenke gebracht hat, gibt es heute nicht mehr wirklich. Sogar ein eigener Verein zu dessen Rettung wurde gegründet: Pro Christkind [ 1 ]. Eigentlich eine lustige Idee. Ich will mich hier garnicht darüber auslassen, dass eine Werbefigur das Ruder in die Hand nimmt. Oder philosophieren, woher das Christkind kommt — es dürfte ja eine Erfindung des Urprotestanten Martin Luther zur Umgehung der Problematik, dass die katholische Heiligenverehrung für ihn nicht so toll war. Oder dass es so ähnliche Figuren wie den Weihnachtsmann auch woanders gibt (Väterchen Frost in Russland, Joulupukki in Finnland). Oder das zB in Frankreich auch nicht das Christkind die Geschenke bringt, sondern der Nikolaus.

Ich finde es einfach nur schade, dass ein so nettes Symbol wie das Christkind einem adipösen Mannsbild weichen musste.

Warum setzen also heute immer mehr Menschen und Institutionen auf diesen seltsamen Werbeträger? Ich weiß es nicht. Naja, vielleicht doch: Als weiteren Schritt zur Entkoppelung des Weihnachtsfestes von den religiösen Wurzeln vielleicht?

Ich traue mich wetten, dass viele Kinder heute nicht mehr wissen, warum Weihnachten eigentlich erfunden wurde. Oder was man da eigentlich feiert oder feiern sollte. Ist doch praktisch, wenn die Wirtschaft sich ohne Gewissensbisse auf das Fest stürzen darf; schließlich geht es dabei ohnehin nur darum, dass ein fetter Mann, der irgendwie doch durch den Kamin passt, ein paar Geschenke vorbeibringt.

Wenn ich besser zeichnen könnte, würde ich ja einige Ideen aus meinem Kopf noch zu Papier (oder sonstigen Medien bringen). Aber da muss ich mir wohl jemanden suchen.

In diesem Sinne: Weihnachtsmann go home!